I have a dream – Fragmente einer Vision. Ein Kommentar von Boris Kochan, Erster Vorsitzender der Typographischen Gesellschaft München (tgm)

© Boris Kochan

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Für das Jahr 2025 hat die Stadt München einen Design-Beirat einberufen. Dieser wird verpflichtend in allen Stadtentwicklungsfragen konsultiert und trägt mit seinen Hinterfragungen genauso wie mit seinen Empfehlungen entscheidend dazu bei, dass die Gestaltern ureigenste Lösungskompetenz systematisch genutzt wird. So entstehen ganz andere Umgangsformen und Lebenswerte. Menschen, Unternehmen und Organisationen suchen die Nähe zur Stadt München nicht nur als Wirtschaftsstandort, sondern auch als Ort internationalen Austausches und Kulminationspunkt für Inspiration und Realisation von gesellschaftlichen, unternehmerischen und kommunikativen Lösungen.

Als wir vor drei Jahren angefangen haben, uns mit großer Begeisterung für die MCBW zu engagieren, haben solche Gedanken eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Schon meine Kandidatur für den Vorsitz der tgm im Jahr 2007 hatte viel damit zu tun, diese weltweit einzigartige Organisation präsenter zu machen und damit dem, was eigentlich da ist in München, zur Sichtbarkeit zu verhelfen. Neben der ewigen Balance zwischen überbordendem Gestern (Asamkirche) und kühn-kühlem Entwurf von morgen (Herz-Jesu-Kirche), urbayrischer Gemütlichkeit und stylish-edelstahlgeprägter Laufstegkultur braucht es den Ausreißer, den Übermut, das Experiment. Das Vage wagen – auch mal ohne Netz(werk) und doppelten Boden.

»Raster und Revolte« ist auch das neue Jahresthema der tgm. Als gewachsene Münchener Institution versteht sie sich als Gegenentwurf und lebt vom Engagement von Menschen und Unternehmen, deren ehrenamtliche Arbeit ein Angebot weit über die typografischen Wurzeln hinaus möglich macht. Im gerade erschienenen Programm 2013/2014 geht es um Orientierung – in der zehnteiligen Vortragsserie genauso wie in über 100 Veranstaltungen für Menschen, die sich für Kommunikation, Gestaltung, Technik und natürlich Typografie interessieren.

Darin enthalten ist auch der Beitrag der tgm zur MCBW: die jetzt im zweiten Jahr stattfindende internationale Editorial Design Konferenz #qved. Zur MCBW 2014 wird Mike Meiré als einer der Keynote Speaker u.a. seine ausgezeichneten Arbeiten mit Künstlern für Zeitschriften präsentieren.

München als Design-Standort bringt neben wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit somit alles mit, um den Traum wahr werden zu lassen: eine spannende Bildungs- und Agenturlandschaft, ein Wirtschaftsministerium, das die Förderungswürdigkeit zum Beispiel einer Designwoche in München erkannt hat, und eine große Medienszene. Wenn wir es jetzt noch schaffen, die München eigene Saturiertheit leise lächelnd zu überlisten und uns dem Schmerz ehrlicher Entwicklung zu stellen… Dann könnte der Ruf nach dem Design-Beirat vielleicht schon 2020 laut werden.

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