Nils Holger Moormann im Gespräch mit bayern design

Ende Oktober gab der Rat für Formgebung bekannt, dass der Möbelunternehmer Nils Holger Moormann für sein Lebenswerk mit dem Personality-Preis des German Design Awards 2015 ausgezeichnet wird. Das bayern design Mitglied steht damit in einer Reihe mit Preisträgern wie Hartmut Esslinger und Gerd Bulthaup.

Nils Holger Moormann

in Aschau, Bayern ©Dirk Bruniecki

Herr Nils Holger Moormann, herzlichen Glückwunsch für die Auszeichnung für Ihr Lebenswerk. Planen Sie nun den Rückzug aus dem aktiven Geschäftsleben? Immerhin ist diese Auszeichnung kaum mehr zu toppen.
Naja, Lebenswerk klingt tatsächlich so, als ob man es hinter sich hätte. Tatsächlich bedeutet diese Auszeichnung für mich aber eher einen Ansporn, weiterhin der Suche nach Lösungen nachzugehen, der Sinnfrage. Diese Auseinandersetzung wird für mich zunehmend interessanter, weil ich heute, wenn ich Glück habe, eine Paarung vorfinde zwischen Erfahrung und immer noch Neugierde. Solange diese Flamme da ist, werde ich auch weiter machen. Ich kann ja gar nicht anders, denn diese Begeisterung ist viel mehr als nur Beruf.

Die Jury honorierte mit ihrer Entscheidung insbesondere die hohe gestalterische Konsequenz und den unternehmerischen Mut, mit denen Sie ihre Marke international erfolgreich positioniert haben. Was waren für Sie die wesentlichen Meilensteine und was würden Sie heute vielleicht anders machen?
Ich würde heute nichts anders machen, denn für mich ist die Herangehensweise die gleiche geblieben: Ich will nicht einfach Trends folgen oder Geschäftsmodelle denken, sondern die Suche nach vernünftigen Produkten und neuen Lösungen in den Vordergrund stellen. Im besten Sinne Möbelerfindungen – das ist es, was mich immer gereizt hat und nicht der Tisch mit fünf Beinen, nur weil sich Fünfbeintische gerade gut verkaufen. Wichtig fand ich dabei auch, dass es eben gerade keinen Businessplan gibt. Ich habe mich immer leiten lassen von Leidenschaft, Konsequenz und Haltung.

Was zeichnet für Sie gutes Design aus?
Gutes Design bedeutet nicht die große Show machen, sondern sich jedes kleine Detail angucken. Ein Designer setzt Ideen nicht nur um, sondern hinterfragt Prozesse ernsthaft. Er entwirft nicht einfach eine Schraube, er überlegt, wo kommt die hin? In welchem Kontext steht die? Könnte man sie auch anders machen? Er versucht, durch Chaosdenken, neue Lösungen zu finden. So führt Design, wenn es richtig verstanden wird, zu besseren Produkten oder zu dem Bewusstsein: „Ich brauch das nicht gleich wieder neu, es ist gut, wie es ist.“

Nachhaltigkeit ist heute in aller Munde. Wie sichern Sie die Nachhaltigkeit Ihrer Produkte?
Schwierige Frage, aber Nachdenken hilft immer. Es ist wichtig, schon im Ansatz nicht nur auf die ökologische Rucksackbilanz zu achten, soweit man sie denn einbringen kann. Vielmehr sollte man Produkte anstreben, die eine sehr lange Lebensdauer aufweisen, am besten sogar eine Vererbungsqualität. Dann ist die Hauptaufgabe schon getan und man läuft nicht Gefahr, dass man allzu müslimäßig wird. Schließlich soll das Leben ja auch trotzdem Spaß machen, es muss nur vernünftig gelebt werden.

Herr Moormann, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Quelle: bayern design

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