Die Munich Creative Business Week kleidet Münchens Brunnen ein

Was haben der Richard-Strauss-Brunnen in der Münchner Fußgängerzone und der Rindermarkt Brunnen im Herzen der historischen Altstadt Münchens mit der MCBW gemeinsam? Erstmalig in Münchens Stadtgeschichte erhalten beide Brunnen noch vor dem offiziellen Startschuss der MCBW am 21. Februar 2015 eine Abdeckung im MCBW-Design. Dazu beauftragte die bayern design GmbH als Veranstalter der MCBW den Designer Stephan Doesinger mit der graphischen Gestaltung beider Brunnen. Warum? Wir wollen mit diesem außergewöhnlichen Projekt nicht nur die Bedeutung von Design für den Wirtschaftsstandort Bayern hervorheben, sondern auch kulturelle und gesellschaftliche Fragen stellen, die den öffentlichen Raum betreffen. Schließlich lautet das diesjährige Motto der Designwoche „Metropolitan Ideas“. Passanten sind dazu eingeladen Selfies vor den Brunnen zu machen und ihre „Metropolitan Ideas“ in sozialen Netzwerken zu teilen. Nähere Details über die Brunnen und ihre Abdeckung erfahren Sie hier.

Der Rindermarkt Brunnen im Zentrums Münchens ist wohl jedem Münchner ein Begriff. Aber so, wie er sich jetzt bis zum Ende der MCBW zeigt, hat man ihn noch nie gesehen. Bis auf die bronzene Rindergruppe ist er nun komplett mit einer Grafik mit dem Titel „Beef Cut“ eingehüllt. Hierbei wurde auf die Geschichte des Brunnens Rücksicht genommen und seine Gestaltung mit weiteren Elementen kombiniert. Aus Tessiner Macchia-Gneis erschuf der Münchner Akademieprofessor und Bildhauer, Josef Henselmann, 1964 auf dem leicht schrägen Boden eine Kaskade aus Wasserlachen: Im Zentrum befindet sich ein asymmetrisches Becken, das eine natürliche Wasserpfütze darstellt. Am oberen Ende der Terrassenlandschaft thront eine Rindergruppe aus Bronze: Die Rinder beobachten und blicken im Sommer auf die am Brunnen sitzenden Menschen. Neben den kaskadenartigen Pfützen Henselmanns bildet eine Druckserie von Roy Liechtenstein den zweiten Ausgangspunkt für die Holzverkleidung. Die Druckserie trägt den Titel „Bull-Profile-Series“ und zeigt in unterschiedlichen Abstraktionsstufen Rinder im Profil. Für den Rindermarktbrunnen wurde die Abstraktion dieser Bilder mit digitaler Technologie weiterentwickelt. Mit speziellen Algorithmen wurde eine winzige Vorlage von Roy Lichtenstein generativ neuberechnet und zu einem 200 Quadratmeter großen Kunstwerk übereinander gelagert. Verläufe bilden schließlich eine fließende Tektonik, die Josef Henselmanns Pfützen aufgreifen.

RindermarktbrunnenUnd was haben Salome und die MCBW gemeinsam? Auch der Richard-Strauss-Brunnen in der Neuhauser Straße hat einen temporären MCBW Schleier erhalten. Der von Hans Wimmer gestaltete Brunnen wurde 1962 fertiggestellt. Als Motiv wurde Salome, die wohl bekannteste Oper Richard Strauss‘, gewählt. Die Säule zeigt nicht nur Abbildungen aus der Oper und Textpassagen, sondern auch Bilder von Strauss und dessen Familie. An der obersten Stelle der Stele befindet sich ein flacher Teller, aus ihm fällt das Wasser – wie ein Bühnenvorhang – herab. Für die MCBW Gestaltung bildet der „Saum“ dieses Bühnenvorhangs den Ausgangspunkt. Das Thema „Verhüllen und Zeigen“ ist dabei für die Umgestaltung von zentraler Bedeutung und schafft gleichzeitig eine Verbindung zum Thema des Rindermarktbrunnens. Es findet sich in der Verhüllung des Brunnens wieder und zeigt sich im Tanz mit den angedeuteten sieben Schleiern der Salome. Die Brunnenabdeckung besteht aus digital generierten grafischen Elementen in den Farben der MCBW – Petrol und einem kräftigen Hellgrün. Sie symbolisieren die Schleier der Salome. Die roten Elemente stehen für die Enthauptung des Jochanaan, der auf Salomes Verlangen hin getötet wurde.

Richard-Strauss-BrunnenÜber den Gestalter

Neben seiner Arbeit als Designer und Unternehmer setzt sich Stephan Doesinger schon seit Jahren auch theoretisch mit dem Thema „öffentlicher Raum“ auseinander. Zuletzt erschien 2012 im MerveVerlag-Berlin seine Theorie über „den öffentlichen Raum im Zeitalter seiner Digitalisierung“ mit dem Titel „Der veröffentlichte Raum“.

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