Brave new world – über die Kunst des Könnens von Digitalisierung. Nicht alles, was kann, muss.


Digitalisierung ist in aller Munde und verspricht die tollsten Erleichterungen und aufregendsten Realisierungen von Träumen, wenn alles plötzlich smart und intelligent wird.

Auf meiner persönlichen Wunschliste steht dabei das Autonome Fahren an erster Stelle, also die Möglichkeit, mich in einem selbstfahrenden Fahrzeug von einem zum anderen Ort „chauffieren“ zu lassen. Ganz dicht gefolgt wird dieser Wunsch von der Sehnsucht nach einem Hausroboter, der kocht, wäscht und bügelt. Aber auch neben diesen Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten existiert natürlich der Wunsch nach Verbesserungen im Health-Bereich: Lebensqualitätsverlängerungen, gesund und agil und alt werden.

All dies kommt sicher und ohne jeden Zweifel, allerdings dauert die Umsetzung länger als gedacht und neben möglichen Menschheitsträumen kommt im Moment sicherlich auf dieser Schnellstraße viel Schrott entgegen, der uns keinen Mehrwert bietet, sondern technologische Fantasie, oft auch gefährliche Spinnerei ist Nur weil sie möglich sind, ist der Nutzen nicht garantiert! Nicht alles, das möglich ist, ist auch tatsächlich nützlich.

Auch die oben genannten Wünsche kann man sehr unterschiedlich interpretieren und mit mehr oder weniger Nutzen, mit mehr oder weniger Vorteil und Wert wahrnehmen.

Der Blick auf die User Perspektive und der Einbezug von Design Thinking sind in diesem Prozess unerlässlich, damit wir die Anforderungen der Nutzer kennen.

Die Umsetzung verändert die Geschäftsmodelle und -prozesse radikal und birgt ein Risiko, dass bisherige Unternehmensstrukturen nur bedingt geeignet sind. Es wäre am besten, wenn Start-ups oder corporate Incubators sich diesem Thema widmen, dabei aber auf die Ressourcen und Erfahrung sowie die Struktur von etablierten Unternehmen zurückgreifen können.

In der “schönen neuen Welt”, muss man wirklich überlegen, wie man mit Datenge- und missbrauch umgeht und welchen Nutzen, welchen Benefit der zunehmend gläserne Mensch durch die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten erhält.

 

– Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Johann Füller

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Prof. Dr. Johann Füller ist seit dem Wintersemester 2012 Stiftungsprofessor der Wirtschaftskammer Tirol am Lehrstuhl für Innovation und Entrepreneurship am Department of Strategic Management, Marketing and Tourism der Universität Innsbruck.

Der Vorstand der Münchner Innovationsagentur HYVE ist Fellow am NASA Tournament Lab-Research an der Harvard University und promovierte im Fach Marketing zum Thema “Community Based Innovations“.

Johann Füller erforscht das innovative Kundenverhalten in Online Communities sowie die Nutzung von Online Communities und Crowdsourcing für die Entwicklung. Begleitend zur Forschungstätigkeit hält er regelmäßig Vorträge und veröffentlicht Artikel und Beiträge in verschiedenen Zeitschriften, u.a. im Harvard Business Manager, im Journal of Product Innovation Management, Marketing Science, MIS Quarterly, Journal of Business Research

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