SMART CITY: SCHLAF-BÜROS UND WOHNUNGEN AUF SIEBEN QUADRATMETERN

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Mehrfamilienhäuser Ismaning © Benedict Esche

Immer mehr Menschen ziehen nach München. Die Stadt braucht daher vor allem mehr Wohnraum und an der Isar wird auch eifrig gebaut – nur eben nicht genug: Einer aktuellen Studie der Allianz zufolge fehlen jedes Jahr 9.300 neue Wohnungen. Der klassische Wohnungsbau kommt an seine Grenzen. Daher ist es Zeit für neue Lösungskonzepte aus dem Bereich der Smart Cities. Der 28-jährige Architekt Benedict Esche und sein Team aus kreativen Köpfen haben welche parat und behaupten: „In München gibt es noch genug Platz.“

In München sei noch viel Platz, sagen Sie – wo denn?

Benedict Esche: Raum gibt es überall. Einmal ganz realen Raum, der nicht voll genutzt wird. Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen, dass man die alte Schlafwagenfabrik oder die Stellwerkeanders bebauen und bespielen könnte. Und dann gibt es Raum, den wir nutzen könnten, wenn wir flexibler denken und zusammenwachsen. Und das gilt auch für die Innenstadt und eben nicht nur für die Leerstände. Nehmen Sie zum Beispiel ein durchschnittliches Büro: Die Mitarbeiter sitzen da von ungefähr 9 Uhr bis 18 Uhr. In der restlichen Zeit stehen die Räume leer. Was wäre, wenn jemand in dieser Zeit dort übernachten könnte? Die Büronutzer würden das gar nicht mitbekommen, weil sie ihr eigenes Zeitfenster haben. Wir müssen dafür nur gemeinschaftlicher denken.

Ein Büro ist kein privater Ort, das könnte ich mir noch vorstellen. Meine Wohnung würde ich aber nicht ständig teilen wollen.

Esche: Und genau deswegen müssen wir über unseren Platzbedarf nachdenken. Der steigt immer weiter und liegt heute schon bei ungefähr 45 Quadratmetern pro Person. Das war vor zehn Jahren noch ein Bruchteil. Ich glaube, dass man nicht mehr als sieben bis zehn Quadratmeter braucht. Man muss ihn nur geschickt nutzen und dadurch entsteht wieder viel Raum.

Das klingt reichlich wenig. Wie könnte das klappen?

Esche: Ein Beispiel ist eines unserer Projekte in einem Raum in der Baumstraße, der nur 7,3-Quadratmeter groß ist. Da wohnt eine Person, die möchte dort schlafen, kochen, essen und am besten auch noch arbeiten. Die Frage war: Wie kriege ich alles unter, wo sind die Anknüpfungspunkte der Funktionen? Die Person kocht gerne, daher war klar, dass der Raum in einer Bespielung eine Profiküche sein muss. Und im nächsten Moment muss er eine Schlaflandschaft sein. Das lösen wir mit flexiblen Decken, Wänden und Böden, aus denen Elemente herausgeklappt werden, so dass sich der Raum anpasst.

Welche Rolle spielt in Ihrer Arbeit Design?

Esche: Design spielt eine wahnsinnig große Rolle. Design bedeutet ja nicht nur, dass es schön aussieht, sondern auch, dass es funktioniert, dass der Handgriff den richtigen Winkel hat, dass es haptisch erfassbar ist. Auch die Automobilindustrie muss mit wenigen Quadratmetern auskommen. Nehmen Sie zum Beispiel moderne Wohnwägen. Die sind auch durchdesignt bis ins letzte Detail. Die Architektur kann darauf auch nicht verzichten. Ich finde auch, dass Design und Architektur sich nicht trennen lassen.

Wie beginnen Sie Ihre Arbeit eigentlich? Schauen Sie zuerst auf Funktionalität oder achten Sie auch auf Ästhetik?

Esche: Es muss natürlich funktionieren und gut aussehen. Der erste Schritt ist aber, dass ich mit dem Nutzer abspreche, was er will und was seine Position ist. Das ist ein Punkt, der ihn beschreibt. Aus diesem Punkt leite ich die Idee für den Raum ab, die das Objekt dann wiederum beschreibt. In dem 7-Quadratmeter-Raum war das zum Beispiel die Küche.

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