Wo geht’s denn hier nach… Smart City?

Der Begriff ‚Smart City’ ist angesagt, und wird oft im Zusammenhang mit einer zukunftsfähigen urbanen Entwicklung genannt. Beim jährlichen Smart City Städte Ranking wird die schlauste Stadt gekürt. Es ist Kopenhagen.Die Stadt als dominierende Lebensform braucht für eine Entwicklung in die Zukunft klare Ziele und Regeln, um unterschiedliche Formen der Stadtgesellschaft und Stadtkultur zu erhalten und zu fördern. Smart City kann dabei eine wichtige Komponente sein.

Die Verheißung von einer klugen Stadt klingt wie ein Traum und erinnert an Janosch‘ Geschichte vom kleinen Bär und dem kleinen Tiger, die glücklich und zufrieden in ihrem kleinen gemütlichen Haus mit Schornstein leben. Als eines Tages eine Kiste vorbei schwimmt, die nach Bananen riecht und auf der Pa-na-ma steht, war die Sehnsucht nach dem Land der Träume geboren. Trotzdem sie auf dem Weg dorthin viele anderen Tiere fragen: „Wo geht’s bitte hier nach Panama? fanden sie am Ende nur ihr eigenes Haus wieder, das sie nun aber mit anderen Augen und mit der Überzeugung, im Traumland angekommen zu sein, sehen.

Sind wir schon in der Smart City angekommen? Wir erleben Smart City vor allem als technologisierte Stadt. Sie besteht aus einem Markt, auf dem Technologiekonzerne ihre Produkte und Dienste verkaufen können. Lässt sich damit schon die Stadt der Zukunft gestalten?

Die Stadt der Zukunft liegt schon vor uns und wir bewegen uns täglich in ihr. Obwohl viele Menschen gut und zufrieden in ihr leben können, muss sie immer wieder angepasst und dabei verbessert und zwingend auch verschönert werden. Der Gebäudebestand hat dabei Vorrang und Infrastruktur ist eine baukulturelle Aufgabe der Zukunft. Die Stadt lebt von ihren Alt- und Neubauten, aber auch von öffentlichen Räumen, lebendigen Nachbarschaften und dem Nutzungsmix.

Doch viele Städte sind in der Krise, so dass sie ihre Ziele und ihre Programmatik vor allem aus der Not gewinnen. Sie entwerfen nicht die Zukunft, sondern die Zukunft kommt ihnen entgegen. Treibende Veränderungen sind z.B. Bevölkerungswachstum und -struktur, Verknappung und Verteuerung der Ressourcen Energie und Boden, Naturgefahren, steigendes Verkehrsvolumen, Alterung der Bauwerke, Klimawandel, aber auch die Finanzierung bzw. Finanzierbarkeit.

Von diesen aktuellen Themen kann man in den Smart City Konzepten der großen Technologie-Unternehmen wenig lesen. Diese Konzepte beschreiben eher die Implementierung vernetzter Informationstechniken, die das Leben der Bürger verbessern, die städtischen Abläufe optimieren und effizienter machen können. Dieses Versprechen der hoch technologisierten Stadt ist nicht alleine die Intelligenz, die wir für eine zukunftsfähige Entwicklung benötigen. Städte sind vielstimmige, heterogene Organismen, die man nicht einfach mit Technologie optimieren kann.

Für uns als Gestalter ist es interessant zu beobachten, dass die ästhetische Komponente in der Smart City keine Rolle spielt. Design wird nur als prozessuales Tool aufgefasst und nicht als gestalterisches.

Auf dem Weg in die nachhaltige Zukunft der Stadt haben wir jedoch vergessen, dass Ästhetik das Komplementär sein muss, zu einem in der Architektur und Design dominierenden Ansatz der Rationalität. Eine Zukunft ohne sinnliches Erleben in unseren Städten ist unvorstellbar. Das duftende Panama bleibt sonst für immer ein Traum.

 

- Ein Gastbeitrag von Amandus Sattler -


Portraits Euroboden Hr. Sattler

 

Amandus Sattler ist Architekt und Founding Partner des 1993 gegründeten Architekturbüros Allmann Sattler Wappner Architekten in München. Diplom an der Technischen Universität München. Selbständige Tätigkeit ab 1985. Universitäre Tätigkeiten: Lehrauftrag Semaine Internationale an der École Nationale Supérieur d’Architecture , Frankreich 2007, Vertretungsprofessur an der Fakultät für Architektur, CIAD Institut, Fachhochschule Köln von 2009-2013, Lehrauftrag für Architektur und Städtebau an der Akademie der Bildenden Künste in München von 2005-2015. Mitglied des Gestaltungsbeirats der Stadt Wiesbaden, der Stadt Oldenburg und des Präsidiums der DGNB. Internationale Jury, Workshops, Gastkritiken, Publikationen und Vorträge. Künstlerische Arbeit mit Fotografie.

 

 

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