Aufwachen!

brand eins Korea-Special –

Die südkoreanische Arbeitskultur ist geprägt von Hierarchie, Überstunden und Alkohol. Aber nun regt sich Widerstand – von unten und von oben.

Bae Myeongji (Name geändert) sitzt seit neun Uhr morgens an ihrem Schreibtisch, Großraumbüro, 16. Stock, sie tippt. Sie kann sehr schnell tippen, einige sagen, sie sei die Schnellste auf der Etage. Sie arbeitet in der Verkaufsabteilung einer Tochterfirma von Samsung in Seoul.

Sie ist für Südostasien zuständig, spricht fließend Tagalog, die meistverbreitete Sprache auf den Philippinen, und obwohl sie Ingenieurin ist, hat sie sich gut eingearbeitet in das Verkaufsgeschäft. Sie ist 36 Jahre alt, unverheiratet, kleidet sich modisch, und das ist noch wichtig: Ihr kann im Vorbeigehen niemand auf den Bildschirm gucken.

Sie hat kein schlechtes Gewissen, viel zu chatten, online zu shoppen, häufig auf die Toilette oder in den Ruheraum der Firma zu gehen. Sie weiß, dass sie nicht die Einzige ist, die so arbeitet. Rund 30 Mitarbeiter sitzen in ihrem Großraumbüro. Alle tippen fleißig.

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Mit freundlicher Genehmigung vom brand eins Wirtschaftsmagazin, Medienpartner der MCBW 2017 
Erschienen in der Ausgabe 08/2015, Schwerpunkt: Faulheit

Autor: Sören Kittel
lebt derzeit in Berlin und arbeitet bei der Funke-Medien-Gruppe (Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt, WAZ, etc.). Sein Buch „An guten Tagen kannst du den Norden sehen“ über Südkorea ist gerade bei DuMont erschienen.

Foto: Jun Michael Park
is a documentary photographer from Seoul, South Korea, represented by laif Photo Agency. Jun’s work “Sewol Aftermath” was selected for exhibition at the 5th Lumix Festival for Young Photojournalism in Hanover, Germany

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