“Break on through to the other side…” – Der Designer trifft auf den Entwickler

Haben Sie schon mal versucht, einen Designer und einen Entwickler in einen Raum einzuschließen, damit diese zusammen an etwas zu arbeiten? Es ist nicht schön anzusehen. Zeitweilig kann es rabiat zugehen und es wird in jedem Fall viel geflucht.

Nun fügen Sie dieser Kombination noch das Internet der Dinge (IoT) hinzu, einen harten Abgabetermin, technische Unsicherheiten und heraus kommt das perfekte Schlachtfeld.

Ich bin ein Service- und UX Designer, und ohne es zu wissen wurde ich in eine Schlacht geschickt, die mein Denken für immer veränderte.

In dem Moment, in dem ich den Raum betrat und ‘der Entwickler’ anfing mit Dingen wie Raspberry-Pi, Beacon-Frequenz, vermaschtes Netz, ‘was auch immer’ Protokoll und anderen Fachausdrücken um sich zu werfen, die sich für mich wie dunkles Tech-Voodoo anhörten, wurde ich in einen Strudel aus Frustration und Einsamkeit gesogen.

Ich und Paul, der von nun an nur noch ‘der Entwickler’ genannt werden soll, arbeiteten an einem Projekt, um einen hyperlokalen, kontextbewussten Service für eine Konferenz zu entwickeln. Der Service sollte nötige Informationen, beschränkt auf einen präzisen Zeitpunkt und einen gewählten Ort, liefern. Hört sich gut an, oder? Aber bis wir an dem Punkt angelangten, an dem ich tatsächlich erklären konnte, an was wir arbeiteten, musste ich tief in die Technologie eintauchen, um zu verstehen, was jenseits der technischen Träume ‘des Entwicklers’ möglich war.

Dies ist heutzutage ein typisches Szenario, vor allem mit Technologien wie dem Internet der Dinge (IoT). Alles ist sehr technologielastig geworden und es ist die Technologie die neue Türen für Dienstleistungen und Produkte öffnet. Aber wenn diese Dienstleistungen und Produkte nicht mit einer Nutzerperspektive im Sinn durchdacht und nicht durch die Designlinse betrachtet werden, dann erweisen sich selbst die interessantesten Technologien als wenig wertvoll.

Es kann schon eine Herausforderung sein, etwas nur für den Bildschirm zu entwickeln, doch wenn eine materielle Ebene und eine echte Umgebung hinzukommen, dann wird das Ganze wirklich komplex.

Während der Arbeit mit Paul mussten wir beide lernen wie wir am besten zusammenarbeiten, wie wir unsere pure Design-, beziehungsweise, pure Technologiedenkweise hinter uns lassen, unsere Komfortzonen verlassen, unsere Egos überwinden (daran arbeiten wir noch). Wir mussten lernen, über unsere jeweiligen Bereiche hinauszuschauen.
An einem gewissen Punkt wurde mein mangelndes technisches Verständnis offenbar, ebenso zeigte sich auch Pauls Mangel an Designkenntnissen. Wie Partner in einer dys­funk­ti­o­nalen Beziehung mussten wir an unserer Kommunikation arbeiten, uns gegenseitig Fachwissen beibringen und anfangen, die gleiche Sprache zu sprechen.

Das war die Geburt des IoT Service Kits. Wir erschufen ein Werkzeug, das es mir erlaubte meine Konzepte und Ideen auszudrücken und es Paul ermöglichte, zu erklären welche Technologien wir benötigten, mit welchen Einschränkungen wir rechnen sollten und welche Gelegenheiten wir nutzen könnten.
Aber unser Kit erwies sich als viel mehr als das. Schlussendlich fing Paul an, Ideenfindung, Konzepterstellung und -erforschung zu verstehen und technische Möglichkeiten wurden ein neuer Bestandteil meines eigenen Arsenals.

Das Kit erleichterte die Kommunikation zwischen uns und wir erkannten, dass viele andere Menschen täglich auf ähnliche Probleme stoßen und, dass diese Verständigungsprobleme zukünftig immer häufiger auftreten werden. Wir entwickelten unser Kit weiter, durchliefen einige Runden an Iterationen und Tests. Als wir endlich zufrieden waren, teilten wir unser Kit mit der Welt.

Das Kit hat uns schon in einige Länder reisen lassen, um Workshops zu halten. Egal wohin wir reisten, von Südafrika nach Europa, unsere Annahme war richtig: Es kommt auf die Kommunikation an. Designer arbeiten eng mit Entwicklern zusammen, beschäftigen sich mit komplexen Technologien und vielen Unsicherheiten; Entwickler haben es schwer, Designer und ihre oft kryptischen Konzepte zu verstehen. Was oft fehlt ist ein vermittelndes Element, das Unterhaltungen ermöglicht. Genau hier glänzt unser Kit.

Unserer Philosophie entsprechend haben wir das IoT Service Kit unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht. Warum, wenn wir mit der Produktion auch zusätzlichen Umsatz hätten machen können? Nun ja, wir glauben, dass Open Source die Zukunft ist, im Besonderen für das Internet der Dinge (IoT).

In einer Welt voller Geräte, die mit dem Internet und untereinander verbunden sind, besteht die Tendenz geschlossene Systeme zu schaffen, um Kunden zu halten und sie von anderen Systemen und Berührungspunkten zu entfremden. Was für eine ironische Sicht auf eine vernetzte Welt! Das Gleiche gilt auch für Wissen, warum sollten wir dieses nur jenen zur Verfügung stellen, die es sich leisten können?

Das Kit Open Source zur Verfügung zu stellen war eine bewusste Entscheidung, es ermöglicht jedem das Kit zu nutzen und die Chance zu ergreifen das Kit mit Hilfe von 3D- und regulären Druckern lokal zu produzieren. Ein weiterer Gesichtspunkt war, dass die Open-Source-Kultur im Design immer noch nicht so weit verbreitet ist wie im Softwarebereich. Entwickler bringen sich schon seit einiger Zeit aktiv in die Open-Source-Bewegung ein und Designer schließen sich nun langsam an. Deshalb wollten auch wir unseren Beitrag dazu leisten.

Und die Ergebnisse sprechen für sich. Menschen in der ganzen Welt nutzen unser Kit, geben uns Anregungen und entwickeln ihre eigenen Versionen. Das ganze Vorhaben war ungemein bereichernd für uns. Wir haben unterstützende Botschaften erhalten und Menschen aus verschiedensten Ländern haben uns ein Lächeln geschenkt, von Brasilien bis Schanghai.

Zum Schluss bleibt nur noch eines zu sagen – es ist eine wundervolle Erfahrung gewesen. Wir haben gelernt, dass die Zukunft auf inniger Kollaboration zwischen den Disziplinen (Design und Technologie) beruht, dass Kommunikation der Grundstein jeden erfolgreichen Projektes ist und dass Öffnen und Teilen mehr Freude und Erfüllung bringen, als Dinge für sich selbst zu behalten.

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