Gutes Design – Kitt zwischen Technik und Gesellschaft

Mein Wunsch für das molekulare Design der Zukunft

 

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Von Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor Deutsches Museum und Oskar von Miller Lehrstuhl für Wissenschaftskommunikation School of Education und Physik Department, TU München

 

Chancen und Risiken neuer Technik bestimmen den Diskurs in unserer Gesellschaft mehr denn je. Technische Lösungen sind unabdingbar, um eine wachsende Erdbevölkerung zu ernähren, den Ressourcenverbrauch einzudämmen usw. Zugleich können aber Ängste und Ablehnung nur durch einen qualifizierten Dialog zwischen technischen Lösungen und Konsumgütern in der Gesellschaft verhandelt werden.

Gutes Design kann bei dieser Herausforderung der Kitt zwischen Technik und Gesellschaft sein, weil es Interesse am Produkt wecken, Diskurs anregen und damit in diesem Spannungsfeld vermitteln kann. Damit hat gutes Design das Potential zur demokratischen Teilhabe an der Gestaltung unserer zukünftigen Welt.
Ein Überleben der Menschheit angesichts einer begrenzten Erde mit endlichen Ressourcen ist nur durch eine vollständige Wiederbenutzung aller zur Herstellung unserer Gebrauchsgüter eingesetzten Atome und Moleküle zu erreichen. Dieses molekulare, atomare Recycling ist das Erfolgsrezept der Natur seit Anbeginn des Lebens vor 3.8 Milliarden Jahren. Es ist Grundlage des natürlichen Stoffkreislaufs auf unserer Erde.

Zu den großartigen zehn Regeln von Dieter Rams für gutes Design muß zukünftig die Regel elf kommen: Das Design der Zukunft muß ressourcen- und energieschonende Herstellbarkeit, Langlebigkeit, Umweltverträglichkeit, Reparaturfähigkeit und – am Ende des Produktlebenszyklus- Stofftrennbarkeit und als Ziel die hundertprozentige atomare Recyclebarkeit ermöglichen. So wie die Natur molekulares Self-Assembly zum Strukturaufbau vom Kristall bis zur Blume optimiert hat und am Ende das Dis-Assembly zu neuem kreativen Wiederaufbau befähigt, sollte zukünftiges molekulares Design von Gebrauchs- und Konsumgütern (mit den Werkzeugen der digitalen Technologie von CAD bis zum additiven Manufacturing und dem noch zu entwickelnden subtraktiven Defacturing) eine Grundlage für die kommenden Gesellschaft 5.0 sein. Auf zur DesignBionik! Auf zum molekularen Design!

 

Literatur:
1. Moleculism,W.M. Heckl, in Molecular Aestetics, Hrsg. Peter Weibel and Ljiljana Fruk, Center for Art and Media Karlsruhe, Deutschland, Mit University Press Group Ltd, 201
2. Die Kultur der Reparatur, Wolfgang M. Heckl (gebundene Ausgabe) Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (26. August 2013), 208 S

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