»Koreaner wollen den Krieg gewinnen«

brand eins Korea-Special –

In den vergangenen 50 Jahren hat sich Südkoreas Wirtschaft rasant entwickelt und wächst bis heute überdurchschnittlich. Was hinter dem Höhenflug steckt, erklärt der Sozialwissenschaftler Daniel Schwekendiek.

brand eins: Herr Schwekendiek, wann haben Sie das erste Mal den koreanischen Ausdruck „ppalli ppalli“– „schnell, schnell“ – gehört?

Daniel Schwekendiek: Schon ganz früh, als ich aus familiären Gründen in Südkorea war. Aber ppalli ppalli ist keine uralte Redewendung, sondern kam erst später auf, unter japanischer Leitkultur. In Japan war die Industrialisierung viel früher gekommen – um aufzuschließen, musste in Südkorea die Geschwindigkeit erhöht werden. Dass das Land dann schneller als jede andere Volkswirtschaft der Erde wachsen würde, hätte jedoch damals auch keiner gedacht. Aber ganz ehrlich, ich halte nicht viel davon, wenn man Südkoreas Art des Wirtschaftens nur auf das ppalli ppalli reduziert.

brand eins: Aber es ist doch ein zentrales Merkmal?

Daniel Schwekendiek: Es ist eher Ausdruck eines kurzfristigen Trends, aber mich interessieren eher langfristige kulturelle Einflüsse. Typische Errungenschaften wie Kalligrafie und Meditation weisen eher auf eine Langsamkeit in der Kultur hin. Im Konfuzianismus gilt zum Beispiel der langsame Weg als der bessere. Das kann man auch an dem viel berühmteren koreanischen Ausdruck hören, den ich jeden Tag sehr oft höre: die Begrüßung „Annyeonghaseyo“. Sie bedeutet „Sind Sie in Frieden?“

 

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Mit freundlicher Genehmigung vom brand eins Wirtschaftsmagazin, Medienpartner der MCBW 2017
Erschienen in der Ausgabe 12/2015, Schwerpunkt: Geschwindigkeit

Autor: Sören Kittel
lebt derzeit in Berlin und arbeitet bei der Funke-Medien-Gruppe (Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt, WAZ, etc.). Sein Buch „An guten Tagen kannst du den Norden sehen“ über Südkorea ist gerade bei DuMont erschienen.

Foto: Jun Michael Park
is a documentary photographer from Seoul, South Korea, represented by laif Photo Agency. Jun’s work “Sewol Aftermath” was selected for exhibition at the 5th Lumix Festival for Young Photojournalism in Hanover, Germany

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