Start-up – Kultur in Deutschland: Potenziale und Herausforderungen

Ein Interview mit Markus Sauerhammer, Startnext

Startnext-Markus_Sauerhammer1_web

Wie können Start-ups Crowdfunding-Plattformen am besten nutzen?
Neben der Finanzierung des Vorhabens bietet Crowdfunding für Start-ups eine Reihe weiterer Vorteile. Gerade in der Gründungsphase ist eine der größten Herausforderungen die objektive Einschätzung, ob es für das Angebot einen Markt gibt und ob die relevante Zielgruppe bereit ist, dafür Geld auszugeben. Zudem ist die Crowdfunding-Kampagne ein gutes und authentisches Kommunikationsinstrument. In vielen Fällen liegt der Kommunikationswert weit über dem eingesammelten Funding. Idealerweise startet man ein Crowdfunding zur Markteinführung des Unternehmens oder des neuen Produkts/Projekts.

Wird Startnext als Zusatz oder Ersatz zu Banken oder anderen Investoren gesehen?
Eigentlich ist es eher eine gute Ergänzung! Viele der Vorhaben, die über Crowdfunding finanziert werden, sind für die klassischen Finanzierungspartner nicht interessant bzw. werden durch öffentliche Finanzierungsinstrumente nicht berücksichtigt. Bei Vorhaben mit größerem Investitionsvolumen lassen sich die verschiedenen Finanzierungsinstrumente gut miteinander verzahnen. So erhalten Banken oder Investoren durch eine Kombination mit reward-based Crowdfunding eine direkte Rückmeldung zur Marktakzeptanz einer Idee und der Vermarktungskompetenz der Gründer. Gerade im Ursprungsland USA wächst Crowdfunding zusehends mit anderen Finanzierungsformen zusammen. Auch in Europa gibt es bereits eine Reihe von Ländern, die die Stärken der verschiedenen Instrumente miteinander kombinieren.

Worin unterscheidet sich die Start-up Szene in Deutschland zu der in den USA?Die Start-up Szene in den USA ist visionärer unterwegs. Sowohl die Gründer, als auch die Investoren. Dort hat man erkannt, dass, getrieben durch die Digitalisierung, viele Märkte neu verteilt werden. Die Gründerszene sichert sich gerade einen Zukunftsmarkt nach dem anderen. In Deutschland sind wir eher konservativ. Gerade die etablierten Finanzierungspartner wollen meist erst einen Beweis für die Tragfähigkeit eines Geschäftsmodells. Gerade im Hinblick auf eine nachfrageorientierte Innovationspolitik schlummert in dem Zusammenhang noch großes Potenzial im Crowdfunding. So sollten z.B. Programme wie der Innovationsgutschein Bayern längst mit dem reward-based Crowdfunding kombiniert werden – schließlich scheitern die meisten Innovationen an einer mangelnden Nachfrage. Und wer kann besser beurteilen als die Zielgruppe, ob ein Vorhaben wirklich auf den Markt kommen sollte?

Sind amerikanische Gründer kreativer und innovativer als deutsche Start-ups?
In der Gründungskultur gibt es große Unterschiede. In den USA ist Unternehmertum schon in Schulen und Universitäten verankert. Der Nachwuchs lernt früh mit den Instrumenten der „Ideenrealisierung“ umzugehen. Hier machen wir in Deutschland Fortschritte – haben aber insgesamt noch einen großen Nachholbedarf. Das macht sich natürlich auch bei den Gründern bemerkbar. Ansonsten sind wir auch zurückhaltender was die Kommunikation angeht. Viele der innovativen Gründer agieren in Deutschland im B2B-Umfeld und sind von daher nicht so sichtbar, wie Start-ups, die Lösungen für Endkunden entwickeln.

Worin liegt die größte Herausforderung für Gründer?
Die größte Herausforderung für Gründer ist die Frage, ob es überhaupt einen Markt für das Angebot gibt und ob die relevante Zielgruppe erreicht wird. Neben einem frühen Kontakt und Austausch mit der Kernzielgruppe kann Crowdfunding hier einen wichtigen Beitrag leisten, um zu evaluieren, ob sich im Anschluss die Interessenten zu zahlenden Unterstützern – also Kunden – konvertieren lassen. Eine weitere bzw. ergänzende Möglichkeit ist es, früh auf die Zielgruppe zuzugehen und mit dieser das eigene Vorhaben zu diskutieren.

Was macht in Deutschland heutzutage eine gute/innovative/kreative Geschäftsidee aus?
Ich denke, dieser Aspekt ist in allen Ländern gleich: Gibt es einen Bedarf für mein Angebot und schaffe ich damit einen Mehrwert gegenüber bestehenden Alternativen? Kann ich mit meinem Vorhaben ein tragfähiges Geschäftsmodell etablieren? Viele gute Geschäftsideen greifen technologische und/oder gesellschaftliche Veränderungen auf.

In welchem Bereich wird heutzutage besonders viel gegründet?
Insgesamt machen sich in Deutschland die meisten Gründer im Dienstleistungssektor selbständig. Allerdings lässt sich hieraus keine Empfehlung ableiten. Vielmehr sollte sich jeder Gründer immer fragen, was sein „einzigartiger Vorteil“ ist: Wo wurde viel Erfahrung gesammelt, in welchen Branchen ein gutes Netzwerk aufgebaut? Was kann ich persönlich besonders gut und macht mir Spaß?

Start-ups im Designbereich: Langfristig erfolgreich?
Das kommt auf unterschiedliche und sehr individuelle Faktoren an. Im Designbereich schlummert großes Potenzial, das aktuell noch nicht voll ausgeschöpft wird. Zudem muss es ja nicht immer der langfristige Aufbau eines Unternehmens sein. Es können auch einzelne Projekte oder Produkte realisiert werden. Hier bieten vor allem die Vermarktungsmöglichkeiten im Internet ein enormes Potenzial. So gibt es auf Startnext beispielsweise eine Reihe von Serien-Crowdfundern, die immer wieder neue Projekte gemeinsam mit der Zielgruppe umsetzen.

www.startnext.com

Weitere Infos: HIER

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>